UNSER STARGAST HEUTE – FORTSETZUNG

Thor Heyerdahl

[zum Anfang] Also folgerte Heyerdahl, dass sich irgendwann vor Urzeiten eine Gruppe Indianer auf ein Floß gesetzt hat, die gesagt hat, uns stinkt's in Kanada, wir gucken mal, ob es woanders so warm ist, dass wir Baströckchen statt Rindenmantel tragen können.

Unmöglich! trompetete die Wissenschaft, kein Boot konnte vor 2.000 Jahren so eine Strecke zurücklegen! Pff, dachte sich Heyerdahl, euch zeig ich's. Er baute ohne moderne Hilfsmittel oder Metalle das Holzfloß Kon-Tiki, setzte sich drauf und fuhr los. Auf der Fahrt entdeckte er übrigens die bis dato unbekannte Schlangenmakrele, und zwar im Schlaf, weil ein Exemplar davon in den Schlafsack eines Crewmitglieds gespült wurde. Iiih!

Nach 100 Tagen landete Thor am 7. August 1947 in Raroia auf dem TUAMOTU-Atoll. Hurra! Das Floß zerbrach bei der Landung, aber wurscht. Was hatte Heyerdahl bewiesen? Eigentlich gar nichts: Denn die Tatsache, dass es für amerikanische Ureinwohner möglich war, von Amerika aus Polynesien zu bereisen, heißt noch lange nicht, dass diese Besiedlung auch stattgefunden hat. Die Ähnlichkeit der Angelhaken beider Kulturen könnte ja auch daran liegen, dass man mit einem spitzen Haken einfach mehr Fische fängt als mit einer Steinschleuder und dass Polynesier und Indianer unabhängig voneinander auf dieselbe Angelhaken-Idee gekommen sind!

Es liegt auch näher, was in Baumstämme zu schneiden als z.B. in Fußnägel oder in Hasenköttel. Auch darauf könnten Polynesier und Kanadier unabhängig voneinander gekommen sein.

Heyerdahl verwechselte also Kausalität mit Similarität, gewann mit seiner Dokumentation einen Oscar, bekam zig Ehrendoktortitel und wurde Kommandeur des norwegischen Sankt-Olav-Ordens. Und das alles nur für eine Floßfahrt. Respect, Brother! Bis morgen!
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